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04Oktober

Bericht vom 3. Weltweiten Kongress zur Anerkennung von berufsbedingten Krebserkrankungen von Feuerwehreinsatzkräften

Nach Winnipeg (Kanada 2010) und Melbourne (Australien 2012) fand vom 28. - 29.8.2014 das „3. Seminar on occupational cancer among firefighters“ in Bergen/ Norwegen statt.
Unter dem Motto „Wer rettet die Retter?“ trafen sich über 130 Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt und tauschten ihre Erfahrungen aus.
Für Deutschland nahmen die Kollegen Marcus Bätge (BF Hamburg) und Ralf Hensel (BF Neubrandenburg) vom Berufsverband Feuerwehr e.V. teil.

BerichtBergen

Die zahlreichen Referenten haben sehr anschaulich auf das erhöhte Krebsrisiko bei Feuerwehreinsatzkräften hingewiesen. Belegt wurden diese Aussagen durch mehrere wissenschaftliche Studien.

Bei  5 Krebsarten,  wie  Hodenkrebs, Prostatakrebs (Gebärmutterkrebs bei Feuerwehrfrauen), Lungenkrebs (bei Nichtrauchern), Blutkrebs und Schilddrüsenkrebs wurde ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Tätigkeit im Einsatzdienst nachgewiesen. Bei 14 weiteren Krebsformen wird durch die Wissenschaft zumindest ein Zusammenhang und damit ein erhöhtes Krebsrisiko vermutet.

Das Krebsrisiko für Einsatzkräfte liegt vor der Einstellung (wegen der hohen gesundheitlichen Anforderung bei der Einstellung) noch ca. 10 % unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Nach bereits 5 Jahren im Einsatzdienst liegt es bei über 20 % über dem Bevölkerungsdurchschnitt und nach 15 Berufsjahren liegt es bei über 30 %.  

In einigen Ländern, wie z. B. Dänemark und Kanada, werden die 5 o. g. Krebserkrankungen bereits als Berufskrankheit anerkannt. Das Problem bei der Anerkennung als Berufskrankheit ist, der Betroffene muss beweisen, dass keine anderen Ursachen für seine Erkrankung (genetisches Risiko, Lebensgewohnheiten z. B. Rauchen) in Frage kommen. Deshalb ist es wichtig, auch weiterhin nach den Ursachen für diese Krebserkrankungen zu forschen.

symbol

 

      Symbol und Solidaritätszeichen für
      die internationale Kampagne „Firefighters fight cancer“!

 

 

Als besonders krebserregend werden u.a. die Stoffe Arsen, Formaldehyd, Dioxin, Diesel, Styren, Chloroform, Kadmium, Blausäure, Methylenchlorid, Benzopyren, Asbest und Vinylchlorid eingestuft. Allen diesen Giftstoffen und noch vielen weiteren gesundheitsschädigenden Stoffe werden die Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung ausgesetzt. In Untersuchungen nach Fahrzeugbränden, Wohnungsbränden und bei Bränden von Abfall (Mülltonne) wurden die krebserregenden Stoffe nicht nur in der Einsatzkleidung nachgewiesen. Eine Kontaminierung wurde auch in der Unterwäsche, auf der Haut und in den Haaren nachgewiesen.
 
Während eines Feuerwehreinsatzes steigt unter der Einsatzkleidung die Körpertemperatur der Einsatzkräfte und durch die Ausscheidungsfunktion der Haut (Schwitzen) ist die Aufnahme der Giftstoffe durch die Haut verhältnismäßig gering. Nach dem Einsatz, wenn die Körpertemperatur wieder auf normal sinkt, steigt die Kontaminationsgefahr um 400 %. Die Aufnahme von Giftstoffen über die Haut und damit das Krebsrisiko steigen.
 
Deshalb ist und bleibt die wichtigste Maßnahme die frühestmögliche Dekontamination der Einsatzkräfte. Aber auch die Früherkennung bleibt eine wichtige Maßnahme gegen den Krebs.

In den Ländern  Dänemark, Kanada, Australien, Norwegen und  Finnland wird das in der Praxis bereits durchgeführt. So tauschen dort die Einsatzkräfte ihre Einsatzbekleidung am Einsatzort und die betroffene kontaminierte Einsatzkleidung wird separat gelagert und anschließend zur Reinigung transportiert.
Die Berufsfeuerwehr Braunschweig will dieses Konzept als erste Feuerwehr in Deutschland auch so umsetzen.

Auch die Früherkennung wird in den o. g. Ländern sehr ernst genommen. So werden bei den Einsatzkräften einmal im Jahr das Blut speziell auf Krebsrisiko untersucht und regelmäßig in den Wachen an der Einsatzkleidung und in den Einsatzfahrzeugen Schadstoffmessungen durchgeführt.
Auch an Einsatzstellen (noch während des Einsatzes) werden sehr großzügig Messungen durchgeführt, um schon während des Einsatzes die entsprechenden Maßnahmen zum Schutz der Einsatzkräfte einzuleiten.  

 
Auch generell wird in diesen Ländern - anders als in Deutschland - mit der Problematik umgegangen.
Besonders beeindruckend war, dass in Dänemark jeder an Krebs verstorbene Feuerwehrmann/frau die gleichen Ehren erhält, wie ein im Einsatz verstorbener Kamerad/in.
So gibt es spezielle Unterstützung für die Hinterbliebenen und in Kopenhagen sogar eine eigene Gedenkstätte für die an Krebs verstorbenen Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen
 

denkmal

In Bergen enthüllt: Denkmal zu Ehren, der an Krebs verstorbenen Norwegischen Kolleginnen und Kollegen.

Und die traurige Bilanz für die BF Neubrandenburg:
Von knapp 100 Einsatzkräften 10 an Krebs erkrankte Kollegen im letzten Jahrzehnt, ist eine Zahl, die für sich spricht.

Fazit:                                                                                                                                              
Was können wir tun?

1.    Der Berufsverband Feuerwehr e.V. wird sich mit diesem Thema weiterhin intensiv beschäftigen. Politik, Amtsleitungen und die Kolleginnen und Kollegen müssen sich mit dieser Problematik auseinandersetzen.

2.    Der Berufsverband Feuerwehr e.V. fordert als Sofortmaßnahme eine konsequente schwarz / weiß Trennung bereits an der Einsatzstelle.

3.    Medizinische Prävention durch jährliche Untersuchungen der Einsatzkräfte.

4.    Mindestens jährliche Schadstoffmessungen in den Feuerwachen und den Fahrzeugen – sowie generelle Schadstoffmessungen an den Einsatzstellen.

5.    Lückenlose Dokumentation der Einsätze.

   Gewissensfrage:
   Wie oft habe ich meine Schutzbekleidung in diesem Jahr schon gewaschen?
   Habe ich sie überhaupt schon mal gewaschen?

Ralf Hensel                            Marcus Bätge